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Warum verwenden die Medien eigentlich keine Prozentzeichen? 

Es gibt kein Handbuch, das die Schreibweisen deutscher Medien festlegen würde. Klar, die meisten richten sich nach den Rechtschreibregeln, wie sie im Duden stehen. Aber warum sieht man in der Zeitung nie Prozentzeichen, warum schreiben alle „zum Beispiel“ aus und wer bestimmt darüber?

Der Grund, warum die allermeisten Medien in Deutschland in ihren Schreibweisen so einheitlich sind, ist ein ökonomischer: Der Austausch von Texten ist dadurch viel billiger. Man stelle sich vor: der „Hinterwäldler-Bote“ würde immer Prozentzeichen in seinen Texten verwenden wollen – die Redakteur*innen müssten alle Nachrichtenagentur-Texte umarbeiten. Mal abgesehen davon, dass man auch nicht die Texte anderer Teile einer Verlagsgruppe ohne Schreibweisen-Überarbeitung verwenden könnte. Dazu kommt: Indem alle die gleichen Schreibweisen irgendwann verinnerlicht haben, kann auch das Personal leichter wechseln.

Es gibt also viele arbeitsökonomische Vorteile, die in dieser Einheitlichkeit liegen. Aber wie stellt man sie her und wie sichert man sie? Eine Internet-Datenbank wäre am besten, weil sie sich immer wieder aktualisieren lässt. Aktuelle Schreibweisen (Robert-Koch-Institut oder Robert Koch Institut) könnten dort laufend eingepflegt werden. Nur: Diese Datenbank gibt es nicht.

Zwar gibt es eine Seite die-nachrichtenagenturen.de, die sogar Regeln und Wortlisten enthält – allerdings sind die hoffnungslos veraltet. Dasselbe gilt für das dpa-Handbuch „Alles über die Nachricht“, das auf 275 Seiten versuchte, diese Schreibweisen auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In der letzten gedruckten Ausgabe von 1998 wurde allerdings noch die alte Rechtschreibung verwendet – und ein Wort wie „Zigeuner“ als okay eingestuft.

Pressestellen sollten sich eher an den aktuellen Schreibweisen der Nachrichtenagenturen orientieren. Die findet man heraus, indem man zum Beispiel dem dpa-Ticker eines Mediums folgt, etwa dem des Handelsblatts. Das ist mühsamer, aber zuverlässiger.

In einigen eher unwesentlichen Details übrigens liegen die Medien, die Agenturen, der Duden und andere Normen wie die DIN übrigens doch manchmal auseinander. Am Beispiel des Zahlentrennpunkts haben wir einen solchen Unterschied auch mal im Detail nachgezeichnet.